Lebensgemeinschaft Irmendal.


Kleine heilpädagogisch-inklusive Familienwohngruppe mit 5 Plätzen

Die heilpädagogisch-inklusive Familienwohngruppe Irmendal in Dortmund hat 5 Plätze für Kinder ab dem Alter von ca. 3 Jahren, die mittel- bis langfristig einer Unterbringung bedürfen. Geleitet wird diese Gruppe von einer Heilpädagogin. Sie lebt dort mit ihren Kindern (Sohn geb. 1994 und Tochter geb. 2005) in dieser Gemeinschaft und nimmt seit 2006 Kinder auf. 

Es hat sich in den letzten Jahren ergeben, dass zunehmend Kinder unter 6 Jahren in der heilpädagogischen Lebensgemeinschaft angekommen sind, die aufgrund ihrer Auffälligkeiten nicht in den angebotenen Hilfeformen verbleiben konnten. Sie benötigen ein erfahrenes heilpädagogisch Setting und aufgrund ihres Alters auch ein warmes Familienumfeld. Dort können auch bis zu zwei Kinder gemäß SGB XII aufgenommen werden. 

Die innewohnende Pädagogin mit ihrer Familie bietet die Stabilität und Sicherheit für die aufgenommenen Kinder. Die persönlichen Stärken ihrer fachlichen Kompetenz liegen im praktischen Tun mit den Kindern. Außerdem bieten die Heilpädagogen das Spielen und Malen an, in dem die Kinder ihre Themen zeigen und dann pädagogisch aufgegriffen werden können.

Personelle Ressourcen / Vertretung im Krankheitsfall

Die Leitung ist Heilpädagogin und Kinder- und Jugendtherapeutin A.V.  Sie bringt Erfahrungen aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit, belegte eine einjährige Fortbildung in systemischer Familientherapie und ist fortgebildet in der Anwendung der Rotatherapie.

Das Kollegium bestehend aus einer weiteren Vollzeitkraft sowie zwei Halbtagskräften (Erzieher und/ oder Heilpädagoge) und einer Hauswirtschaftskraft, gewährleisten einerseits die Entlastung und Freizeit für die Gruppenleitung und übernehmen die Stellvertretung bei Krankheit und Urlaub. Sie ermöglichen andererseits in der Doppelbesetzung die Umsetzung der differenzierten Angebotsmöglichkeiten und Einzelförderung.

Im Notfall kann bei Betreuungsengpässen durch Krankheitshäufung neben Urlaubsphasen auch auf Mitarbeiter des Trägers zurückgegriffen werden. Diese sind den Kindern durch trägerübergreifende Aktivitäten bereits bekannt. 

Unser Betreuungsschlüssel: 1 : 1,67

Einzelförderung

Durch unsere internen Fachkräfte können wir folgende heilpädagogischen Förderungen anbieten:

Künstlerisches Arbeiten wie Malen und Plastizieren, 

Spieltherapie

Bewegungsübungen zur Integration der persistierenden Reflexe

Nach ärztlich-therapeutischer Verordnung können wir durch Kollegen, die mit uns zusammenarbeiten auch Gesangstherapie und Heileurhythmie anbieten. Alle Stunden werden in unseren Räumlichkeiten angeboten und in den Alltag integriert. Während der Einzelförderung übernimmt ein weiterer Mitarbeiter die Gruppe.

Zielgruppe 

Die Gruppe nimmt Kinder mit folgenden Schwerpunkten:

•Bindungs- und Beziehungsstörungen

•Entwicklungsverzögerungen

•Wahrnehmungsstörungen

•Verhaltensauffälligkeiten

•Lernbehinderungen

•Traumata

•Seelische und geistige Behinderungen

Rechtsgrundlage

§§ 34, 35a SGB VIII und SGB XII

Ziele

•Aufbau der Bindungs- und Empathiefähigkeit

•Körperliche und seelische Nachreifung

•Ausbildung der Sinne

•Abbau von Ängsten,

•Selbstbewusstsein

•Erweiterung von sozialen Kompetenzen

•Steigerung der Kommunikationsfähigkeit, Ausdrucksmöglichkeiten

•Entwickeln lebenspraktischer Fähigkeiten

Pädagogische Schwerpunkte

Bindung

Besonders in den ersten Lebensjahren zeigen sich bei den Kindern oftmals große Einschnitte in der Bindungssicherheit. In der kleinen und betreuungsintensiven Gruppe wird vorrangig auf Beziehungsangebote geachtet, die ein Nachreifen der Bindungsfähigkeit ermöglichen sollen. Die emotionale Stabilität ist eine wichtige Basis für das Selbstbewusstsein, Beziehungen, Lernen und vieles mehr.  

Wahrnehmung

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Förderung der Wahrnehmung. Frühe Störungen der Entwicklung beeinträchtigen die Sinnesempfindungen und ankommende Reize werden verzerrt aufgenommen. Veränderung in Muskeltonus und Atmung, Über- oder Unteraktivität, Stressanzeichen, Fehleinschätzung der Umwelt usw. sind deutliche Anzeichen  dafür. Hier versuchen wir über gezielte Reizangebote diese zu regulieren und über heilpädagogische Angebote die Sinne zu pflegen, da sie das Tor zur Außenwelt sind. 

Freude

Bei allen Schicksalsschlägen, die die Kinder schon erlebt haben, bei allen Schwierigkeiten, die im Alltag auftreten, schaffen wir eine freundliche Atmosphäre, die durch Freude am Tun begleitet wird. 

Diese Schwerpunkte werden in einen rhythmischen Alltag eingebettet. 

Wir begleiten viele Tagesabläufe mit Liedern, wir spielen und musizieren gerne. Malen, Basteln, Werken und viele andere Dinge, in denen die Kinder sich und Material kennenlernen. Basale Körpererfahrungen durch Schaukeln, in Decken einwickeln, Kniereiterspiele usw. geben dem Kind u.a. Sicherheit. Im Abendritual begleiten Geschichten, Massagen und Lieder die Kinder zur Ruhe.

Zu starke Reize halten wir in der Anfangszeit zurück. Ein überschaubares Umfeld und Geborgenheit möchten wir in der Gruppe bieten, damit eine vertrauensvolle Basis entstehen kann und den Kindern Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und ein soziales Miteinander ermöglicht werden kann.

Elternarbeit

Durch die Unterstützung und Förderung von Kontakten des Kindes zur Herkunftsfamilie und die individuelle Einbeziehung der Eltern wird die Möglichkeit offen gehalten, dass das Kind bzw. die/ der Heranwachsende in die Herkunftsfamilie zurückkehren kann, wenn die Probleme, die zur Unterbringung geführt haben, hinreichend gelöst werden konnten.

Die Einbeziehung der Herkunftsfamilie bedeutet für uns:

•den intensiven Austausch zu pflegen,

•Kontakte zwischen Kind und Eltern herzustellen.

•regelmäßige Gespräche anzubieten, bei denen der junge Mensch und seine Entwicklung im Mittelpunkt stehen.

Vor dem Hintergrund, dass die innewohnende Erzieherin schnell als Konkurrenz von der jeweiligen Herkunftsfamilie empfunden werden kann, bilden vor allem die Wahrnehmung und der sensible Umgang mit eben dieser Situation die Grundlage für eine erfolgreiche Elternarbeit.

Die Herkunftsfamilie betrachten wir so emphatisch wie möglich, da diese sich immer auch im Kind prägend abgebildet hat. Das Kind soll sich auch mit seinen Wurzeln identifizieren dürfen und deren Annahme und positive Auseinandersetzung durch die  Mitarbeiter kann alle Beteiligten in ihrer Entwicklung fördern.

Krisenmanagement

Mit Krisen gehen wir folgendermaßen um:

Präventivmaßnahmen:
•Wir wollen die Kinder vor allem annehmen wie sie sind. Dabei helfen uns die   
„Kinderbesprechungen“ (s. 11. Qualitätsmanagement)  Ein Kind, das sich 
angenommen fühlt, kann sich vertrauensvoller und gelassener in Konflikte 
hineinbegeben.
•Wir schaffen Rückzugsmöglichkeiten für Kinder und Mitarbeiter. Vielleicht auch einen
„Insel-Raum“, der so eingerichtet ist, dass er Wutanfällen standhält und weniger 
Gefahren der Selbstverletzung beinhaltet.
•Durch genug Bewegung und entspannende Bäder kann Eskalationen vorgebeugt 
werden.  
•Das Sorgentelefon soll jederzeit von den Kindern nutzbar sein. Das heißt, es sind die
Nummern der Vertrauenspersonen eingespeichert, so dass auf niederschwellige Weise
Probleme vorgebracht werden können. Die Kinder lernen so, sich im Ernstfall Hilfe zu 
holen.

Krisenintervention:
•Die Mitarbeiter orientieren sich im Umgang mit Krisen am PART-Konzept.
•Es wird in der Regel zu zweit gearbeitet, so dass schützende Maßnahmen
wirksam durchgeführt werden können.
•Hilfe kann auch von anderen Trägermitarbeitern gerufen werden. Es gibt eine
Tag-und Nacht Rufbereitschaft.
•Manchmal ist eine kurzfristige Unterbringung eines Kindes in einer anderen
Familie von „Kinder auf GutenGrund“ notwendig.
•Eine Akuteinweisung in eine Kinder-und Jugendpsychiatrie ist nicht
auszuschließen.
•Ist eine Krise in unserem Setting unlösbar, muss mit Jugendamt, Vormund, bzw.
Angehörigen über andere Unterbringungsmöglichkeiten beraten werden.

Nachbereitung:
•Die während einer akuten Krise gemachten Erfahrungen auswerten undaufarbeiten mit 
den Mitarbeitern, den Kindern und dem Träger und wenn nötigmit Hilfe externer 
Beratung.
•Die nötigen Änderungen durchführen.
•Den besonders betroffenen Kindern oder Mitarbeitern persönlich unterstützenund 
beraten (evtl. durch Externe)
•Der Verlauf der Krise wird allen Beteiligten transparent mitgeteilt und dokumentiert.

Umfeld/Räumlichkeiten

Die Gruppe wohnt in einem Doppelhaus von ca. 300 m² und bietet helle und großzügige Räume, wobei jedem Kind ein Einzelzimmer zusteht. Den Bedürfnissen der Kinder angepasst, stehen im großen Wohnraum Spiel-, Lese-, Musikecke und Raum zur Bewegung zur Verfügung. Dieser Raum bietet auch Möglichkeiten für verschiedene Therapien. 

Das Erlebnis Kochen kann in der großen Küche hautnah erfahren werden und lädt zum gemeinsamen Essen ein. Das moderne und freundlich gestaltete Haus in Dortmund-Wellinghofen bietet durch die Stadtnähe alle Vorzüge an schulischer Auswahl, Verkehrsanbindungen, Therapien, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangeboten. Zudem bietet die Nähe zum Schwerter Wald, dem Dortmunder Zoo und dem Rombergpark viele gute Möglichkeiten der weitläufigen Außenaktivität.

Erlebnispädagogik Sauerland

An einigen Wochenenden und in den Ferien fährt die Gruppe in ein Ferienhaus im Sauerland. Hier bieten sich Erfahrungsbereiche auf ca. 4 ha Land und Wald 

Natur erleben (Flora und Fauna, Wetter, Elemente…)
Gartenbau im kleinen Rahmen
Zubereiten der Speisen, die hier gesammelt und geerntet werden
Projekte wie Floß- und Brückenbau
Wanderungen
Spiele
 
Zu dem Thema Erlebnispädagogik ist ausreichend Literatur vorhanden, somit wollen wir hier nicht im Einzelnen auf die pädagogischen Inhalte eingehen. Wir können jedoch von den Erfahrungen berichten, die wir seit 2013, seit dem wir den Ort regelmäßig mit den Kindern besuchen, gesammelt haben.


Die Kinder werden selbstsicherer durch

Erhöhte Geschicklichkeit (gehen, laufen, springen, klettern, balancieren, kriechen und schleichen) 
Erleben des Wetters (Die Kinder sind in den warmen Monaten überwiegend draußen, in der kalten Jahreszeit sind es täglich kurze Zeiten, wonach sie sich am Ofen wärmen. Wetterbedingte Spiele wie Dämme bauen, Kaulquappen sammeln, Schneemann bauen, Schwimmen usw. Anfallende Arbeiten wie Gartenpflege, Schnee schieben, Tiere im Winter füttern usw.)            
Elemente erleben (Feuer machen, am Bach spielen, Erde bewegen, matschen, Winde erleben, Luft anhalten, Speisen über Feuer bereiten und vieles mehr)
Abenteuer (Nachtwanderungen, Verstecken spielen im Wald, Tiere retten, Wildschweine hören, dem Fuchs in die Augen sehen, den Berg hinunter rodeln usw.)  
Mithilfe an den Arbeiten der Erwachsenen (Feuerholz sägen, Gartengeräte benutzen, Bauarbeiten, Zaun reparieren usw.)    
selbstbestimmte Projekte (Basteln, Werken, Malen und was den Kindern noch so einfällt)
letztendlich durch die Begleitung der Erwachsenen, so wenig wie möglich und so viel wie nötig


Wir konnten bei den Kindern verminderte Ängste feststellen und eine höhere gesundheitliche Abwehr.   

Dieses Angebot steht allen Gruppen des Trägers zur Verfügung. Hier erleben die Kinder eine größere Gemeinschaft durch Urlaube, Feste, Projekte usw.

Der Gemeinschaft kommt eine besondere Bedeutung für die seelische Entwicklung der Kinder zu. Neben den praktischen Vorteilen gegenseitiger Ergänzung, Motivation und Hilfeleistung, erlebt das Kind in einer gesunden Gemeinschaft Begegnungen, gegenseitiges Wahrnehmen, Überwindung von Konflikten, seine eigene Wirkung auf Andere. Es erlebt, wie die Erwachsenen um Lösungen ringen und an den Aufgaben wachsen. 

Das Geben und Nehmen in einer Gemeinschaft wird dem Kind zum Vorbild für seine spätere Rolle im gesellschaftlichen Umfeld.